Ein zukünftiger Meister spielte Meisterwerke

11/2019 - In der Konzertreihe „Beflügelt!“ laden Waldorfschule Benefeld und FORUM Bomlitz junge Nachwuchsmusikerinnen und -musiker ein, Ihr Können zu zeigen. Zu Gast in Benefeld war am letzten Sonntag der 26-jährige Pianist Youngho Park aus Südkorea. Bereits mehrere internationale Preise hat er gewonnen. Zurzeit ist er Masterstudent an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover bei Prof. Roland Krüger. Mit Beethovens Sonate Nr. 21 „Waldstein“ eröffnete Park das Konzert, in dem er mit großer Sicherheit ein anspruchsvolles Programm präsentierte.

Die groß angelegte Klaviersonate, die nach Beethovens Mäzen Graf Ferdinand von Waldstein benannt ist, gilt sowohl in ihrer Virtuosität als auch in ihrer Länge als Paradestück für jeden Pianisten. Für die Zuhörenden in Benefeld wirkte sie jedoch nicht lang: Youngho Park spannte einen großen Bogen über das Werk, der vom ersten bis zum letzten Ton nicht abbrach. Der zweite der drei Sätze führt in das Schlußrondo mit virtuosen Trillerstellen, an denen der Pianist noch über einem Triller in derselben Hand Melodielinien zu spielen hat. Bei Youngho Park wirkte nicht nur diese Herausforderung unbeschwert und leicht.

Der zweite Teil des Konzerts begann mit dem versponnenen Intermezzo op. 119 no. 1 von Johannes Brahms, dessen gebrochene Akkorde in herbstliche, flimmernde Luft zu schweben schienen. Ausdrucksvolle, schmerzliche Arpeggien durchzogen das Intermezzo von Anfang bis zum Ende. Die darauf folgende kraftvolle Rhapsodie op. 110 no. 4 unterbrach diese Stimmung abrupt. Youngho Park brachte die Wechsel deutlich zur Geltung.

Chopins 3. Ballade in As-dur op. 47 führte die Zuhörer anschließend in eine ganz andere Welt. Chopin ist der erste Komponist, der Balladen schrieb, obwohl er der Programmmusik eher gleichgültig gegenüberstand. Park verstand die wechselnden Stimmungen, die diese Musik widerspiegeln, hervorragend herauszuarbeiten.

Das Konzert endete mit einem der schwierigsten und virtuosesten Werke der Klavierliteratur, den "Trois mouvements de Petrouchka" von Igor Strawinsky. Youngho Park meisterte dieses Werk mit Bravour. Strawinsky schrieb diese Klaviertranskription seines Balletts und widmete sie dem großen Artur Rubinstein. Die Zuhörenden wurden darin auf einen russischen Jahrmarkt entführt, wo die Geschichte Petruschkas zu hören ist. Russische Tänze und folkloristische Lieder wurden in rhythmisch markante Passagen eingefügt. Das Ganze war ein Feuerwerk in einem großen Klangteppich.

Nach langanhaltendem Applaus und Bravorufen brachte der Künstler schließlich noch ein letztes Stück von Franz Liszt als Zugabe und entließ die beeindruckten Gäste in den Abend. Nach 75 Minuten hochkonzentriertem Konzert wirkte der freundlich zurückhaltende Youngho Park nach wie vor unangestrengt und gelassen. Die Musiköffentlichkeit wird sicherlich in Zukunft noch vieles von ihm hören.

Das nächste Klavierkonzert in der Reihe „Beflügelt!“ wird am 19. Januar 2020 wieder im Pavillon der Waldorfschule in Benefeld stattfinden. Das Duo Sebastian Nowak und Victoria Sarasvathi wird dann Werke für Violine und Klavier von Beethoven, G. Fauré und Szymanowski vortragen. Der Eintritt wird wieder frei sein.

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