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Literarische Reise durch das antike Mesopotamien

02/2026 - Arno Schmidt entwickelte sich während seines Aufenthalts in Cordingen von 1945 bis 1950 zum Schriftsteller. Dabei siedelte er drei der Erzählungen, die auf dem dortigen Mühlenhof entstanden, in der Antike an. Durchzogen waren sie aber von Anspielungen auf die Nazi-Zeit. Auch die Erzählung „Alexander oder Was ist Wahrheit“, die Wolfgang Brandes und Torsten Kleiber in der Lese-Reihe "Arno Schmidt les'n" beim FORUM vorstellten, nutzt den Ausflug in die Antike dazu, sich nicht von der Vergötterung sogenannter „großer“ Herrscher blenden zu lassen.

Mit dem Alexander-Stoff war Arno Schmidt in seiner Hamburger Schulzeit in Kontakt gekommen. In der Realschule am Brekelbaumspark in Hamburg-Hamm, die Schmidt von Ostern 1924 bis November 1928 besuchte, stand Bernhard Kumstellers „Geschichtsbuch für die deutsche Jugend“ auf dem Lehrplan. Auch wenn das Buch aus heutiger Sicht wie „eine säkularisierte Heldenfibel aus fernen Zeiten“ (Ernst Krawehl) wirkt, prägte sich die eindringliche Schilderung Alexanders bei Schmidt ein.

Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs fragte sich Schmidt allerdings, ob Alexander wirklich der Held und weise Mann war, zu dem ihn die Geschichtsschreiber machten, oder nicht doch nur ein mordender, macht- und besitzhungriger Jüngling. Oder ob sich beide Züge in seinem Wesen mischten?

Dementsprechend besteht Schmidts Erzählung aus einem fiktiven Reisebuch des Aristoteles-Schülers Lampon. Er beabsichtigt 323 v. Chr. Alexander den Großen aufzusuchen, der als Jüngling von dem bedeutenden Philosophen Aristoteles unterrichtet worden war, seit Jahren aber schon mit der Eroberung Asiens befasst ist. Was Lampon auf der Reise erlebt, bei der er oftmals mit Alexanders Armee in Kontakt kommt, desillusioniert ihn. Als er dann endlich Babylon erreicht, liegt Alexander bereits im Sterben.

Die Leserschaft musste noch lange auf Arno Schmidts „Alexander oder Was ist Wahrheit“ warten. Weder die „Wundertüte“ erschien, in der Schmidt fiktive Briefe an besondere Persönlichkeiten zeigen wollte und in die eine Aufnahme geplant war, noch kam es 1950 zu einer Veröffentlichung in einem Sonderheft der Zeitschrift „Neue Rundschau“ oder 1952 in der Zeitschrift „story“. Erst im Mai 1953 erscheint in der Frankfurter Verlagsanstalt der Band „Die Umsiedler“, der neben der Titelerzählung aus dem Mai 1952 geschriebenen auch den „Alexander“ enthält.

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