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Ein wunderbares Konzert - und so "Freylekh!"

06/2026 - Gintaras Janusevicius kommt gern nach Benefeld, und das Festsaal-Publikum freut sich immer wieder auf den litauischen Pianisten. Ein virtuoser Profi, gefühlvoll, aber auch pointiert und kräftig am Klavier. Zusätzlich erläutert er unterhaltsam Hintergründe zu Komponisten und Stücken und macht das Konzert zu einem Erlebnis für die Gäste. Mit seinem Programm "Freylekh!" eröffnete er die jüdisch-muslimische Themenwoche von Eine-Welt-Verein und FORUM.

Es war ein Fest der Vielfalt! Patin für das Konzert, in dem Janusevicius Stücke jüdischer Komponisten präsentierte, war seine Großmutter. "Eine Energiebombe", schmunzelte der Musiker in liebevoller Erinnerung. Und seine Großmutter wäre sicherlich sehr stolz auf ihren Enkel gewesen: Jazz, Filmmusik, Oper, sanfte und fast schwebende Minimal Music und virtuose Klassik zeigten das breite Können und Verständnis des Künstlers. Das Programm lag ihm spürbar am Herzen, und das übertrug sich auch auf das Publikum.

  • Marc Lavry (1903–1967): Hora (1941).
  • Erwin Schulhoff (1894–1942): Stomp, Tango und Foxtrott aus der "Jazztanzsuite" (1931).
  • Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) / Gintaras Januševičius (*1985): Tanzlied des Pierrot aus der Oper "Die tote Stadt" (1920).
  • Philip Glass (*1937): Etüde No. 6 (1994).
  • Charles Trenet (1913–2001) / Alexis Weissenberg (1929–2012): Im April, in Paris (1953).
  • George Gershwin (1898–1937) / Earl Wild (1915–2010): „Embraceable You“, „Fascinating Rhythm“.
  • Nailia Galiamova (*1961): Buntglas-Fantasie (2020).
  • Felix Mendelssohn (1809–1847) / Franz Liszt (1811–1886) / Vladimir Horowitz (1903–1989): Hochzeitsmarsch aus der "Sommernachtstraum" (1842).

Walsroder Zeitung vom 16.06.2026: Jüdisch-dadaistische Jazzmusik. FORUM Bomlitz: Ausflug in eine Musikwelt, die etwas anders als typische Klassik ist – Kinofilm am Mittwoch.

Zum Auftakt der jüdisch-muslimischen Themenwoche präsentierte der litauische Pianist Gintaras Janusevicius sein Programm „Freylekh!“ beim Forum Bomlitz. Das Programm war sehr vielfältig und passte damit ganz genau in die Themenwoche. „Für unsere Stadt ist Vielfalt eine Stärke. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Weltanschauungen leben hier zusammen. Ein friedliches und respektvolles Miteinander entsteht nicht von selbst – es wächst durch Begegnungen, Gespräche und die Bereitschaft, einander zuzuhören,“ sagte die Walsroder Bürgermeisterin Helma Spöring in ihrem Grußwort.

In der Festhalle der Waldorfschule in Benefeld gab es dies alles: Die Begegnung mit dem Pianisten, der einen litauischen Vater hat und eine Mutter, die aus einer jüdisch-muslimischen Familie stammt. Vor und nach dem Konzert nutzten viele Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit zum Gespräch mit Gintaras Janusevicius.

Das Musikprogramm machte seinem Namen „Fröhlich“ alle Ehre. Es reichte von dynamischen Tänzen über einen für Klavier arrangierten Chanson (der Lieblingsmusik der jüdischen Großmutter von Gintaras Janusevicius) und zart schwebende Töne sowie mitreißende Musicalmusik bis zum bekannten Hochzeitsmarsch von Felix Mendelsohn.

Die Musikstile waren sehr unterschiedlich – eben vielfältig. Die drei Tänze von Erwin Schulhoff entstanden 1931 und waren eine gelungene Mischung aus jazzigen und jüdischen Musikelementen, die eine dadaistische Grundstimmung aufwiesen.

Der Pianist erzählte vor dem jeweiligen Musikstück den zeitgeschichtlichen Kontext, die Lebenssituation des Komponisten und kurzweilige Anekdoten. So ist Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, für Janusevicius die Stadt der Liebe. Dort begann die Liebesgeschichte der Eltern von George Gershwin, die in die USA auswanderten.

Die Musik wurde wie gewohnt erstklassig präsentiert: Mal dröhnte der Flügel, mal schwebten die Töne wie ein Schmetterling durch den Saal. Der Hochzeitsmarsch in der Version von Liszt und Horowitz hatte einige rasante Passagen, die sich so schnell nur auf einem sehr guten Instrument spielen lassen.

Die jüdisch-muslimische Themenwoche geht am Mittwoch ab 18 Uhr im Capitol-Theater in Walsrode weiter mit dem Kinofilm „Nicht ganz koscher – eine göttliche Komödie“.

 

WZ-Text und Bild: Lutz Riechardt