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Am Stadtrand blieb der Friedhof erhalten

06/2026 - In der Nazizeit wurden viele jüdische Friedhöfe geschändet und zerstört. Der jüdische Friedhof in Walsrode war glücklicherweise am Stadtrand, so das er wenig auffiel und erhalten blieb. Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine führte die Interessierten bei seiner FORUM-Führung "Jüdisches Leben in Walsrode" auch zum Friedhof und erläuterte Besonderheiten der jüdischen Begräbniskultur.

Das KZ Plaszow, das bekannt wurde aus dem Film "Schindlers Liste", wurde bewusst auf dem Gelände des alten und neuen jüdischen Friedhofs in Krakau errichtet. Für die Befestigung der Straßen im Lager wurden die Häftlinge gezwungen, die dortigen Grabsteine zu zertrümmern und als Material zu benutzen. Diese bewusste Schändung war umso perfider, weil in der jüdischen Tradition Gräber für die Ewigkeit vorgesehen sind. Leider war Plaszow kein Einzelfall.

Dieses ewige Ruherecht sieht man auch auf dem Walsroder Friedhof. Ein hohes Alter ist bei vielen Grabsteinen erkennbar. Die Gräber werden der Natur überlassen, damit der Verstorbene zurückgeführt wird in den ewigen natürlichen Kreislauf. Die Inschriften auf den älteren Steinen sind üblicherweise in Hebräisch, bei den jüngeren auf der Rückseite auch auf Deutsch. Neubert-Preine, der zu seiner Studienzeit in Israel lebte und dort Hebräisch lernte, konnte bei der Übersetzung einiger Texte behilflich sein.

Der abgebildete Grabstein z.B. hat im Kopf einen Krug mit einer Schale als Zeichen für die Gruppe der Leviten. Sie gossen in der Tradition dem Priester vor dem Segen Wasser über die Hände. Der Text selbst nennt den Verstorbenen Salomon, der Levit und Sohn des Jakob gewesen sei, und schließt mit der Formel: "Möge seine Seele eingebunden sein in das Bündel des Lebens.“

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