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Ernst Jünger muss man kennen, aber nicht mögen

03/2026 - Nicht alle Autorinnen und Autoren findet man gut, Geschmäcker sind nun einmal verschieden. Trotzdem gibt es literarische Wertigkeit, Bedeutung und Umgang mit Sprache, worüber man zwar auch streiten kann, aber wofür man auch belastbare Einschätzungen begründen kann. Ernst Jünger ist so ein Beispiel, das der Germanist Hans-Jürgen Bollig im einem Literatur-FORUM vorstellte.

Sein bekanntestes Werk ist der Tagebuchroman "In Stahlgewittern", das er als Zeitzeuge und literarischer Chronist des letzten Jahrhunderts schrieb. Aus heutiger Sicht schwierig zu akzeptieren, wenn der Autor Krieg und Tod als charakterbildende Abenteuererfahrung beschreibt, die eine fast schon "heilige" Auseinandersetzung mit archaischen Urgewalten sei. Dass man dasselbe Thema auch anders beschreiben konnte, zeigte der Roman "Im Westen nichts Neues" von Erich-Maria Remarque, der acht Jahre später erschien.

Referent Hans-Jürgen Bollig portraitierte den Schriftsteller, der 1895 in der deutschen Kaiserzeit geboren wurde. Als Jugendlicher unternahm er einen Abstecher in die französische Fremdenlegion, meldete sich 1914 sofort als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und überlebte ihn mit vielen Verwundungen. Die Weimarer Republik lehnte er ab, ebenso wie die Herrschaft der NS-Schergen trotz anfangs ideologischer Nähe. Im Zweiten Weltkrieg war er überwiegend im Stab des Militärbefehlshabers in Paris stationiert und spielte auch eine Rolle im Umfeld des misslungenen Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944. 

Bollig gelang es, die Distanz seiner Beschreibung und Einschätzung zu wahren und dabei vor allem auch Leben und Werk Jüngers historisch einzuordnen. So konnten die Interessierten mehr Hintergrund für den Kontext erfahren und sich ein besseres Bild machen. Kriegsverherrlichung durfte man anschließend immer noch ablehnen. 

Nach dem Krieg ertrug Ernst Jünger aus seiner Sicht die neue Bundesrepublik und wurde bewundert von Francois Mitterand und Helmut Kohl. Als ihm die Stadt Frankfurt 1982 den Goethe-Preis verlieh, kam es zu einem Eklat und Protesten. Von 1948 bis zu seinem Tod lebte er in Wilflingen (Schwaben) im Forsthaus der Familie von Stauffenberg, wo Hans-Jürgen Bollig ein informatives Gespräch mit der letzten Haushälterin im Hause Jünger führen konnte.

1998 starb Ernst Jünger im Alter von 102 Jahren. Vielleicht war sein besonders langes Leben für ihn das persönlich Tragische: Die Welt, in die er zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren und in der er sozialisiert wurde, ging unter und kam nicht zurück. Den größten Teil seines Lebens verbrachte er in einem Deutschland, das ihm weder als Faschismus noch als Demokratie gefiel. 

Zum Vergleich wird Hans-Jürgen Bollig in einem nächsten Literatur-FORUM Erich-Maria Remarque vorstellen. Vielleicht versteht man den einen Autoren gerade besser, wenn man ihn direkt neben den anderen stellt.