Furioser Auftakt in der „Eckphilharmonie“

08/2021 - Im April dieses Jahres konnte die neue Festhalle der Freien Waldorfschule Benefeld fertiggestellt werden. Damit hat die Schule eine eindrucksvolle Kulturstätte bekommen, die in der Region für den kulturellen Bereich offenstehe, wie Geschäftsführer Christian Fenton betonte. Doch Veranstaltungen waren aufgrund der Corona-Pandemie vorerst nicht möglich. Nun gelang es der Waldorfschule gemeinsam mit dem Kulturverein Forum Bomlitz, für das erste Konzert im neuen Haus das Junge Philharmonische Orchester Niedersachsen (JPON) zu gewinnen.

Es gehört zu den größten und bekanntesten Studentenorchestern in Deutschland. Das JPON präsentierte in Benefeld sein neues Sommerprogramm „Trauer & Träume“, und auch für das Orchester war es Corona-bedingt das ersehnte erste Konzert seit Langem.

Für Waldorfschule und Forum begrüßte Torsten Kleiber das Publikum in der Neuen Festhalle, die für ihn die „kleine Cousine der Elbphilharmonie“ sei. Zwei Wochen waren die jungen Musiker und Musikerinnen für ihre Probenarbeiten in Benefeld. Unterkunft und Küche stellte die Freie Waldorfschule zur Verfügung, deren Gelände in dieser Zeit wie ein kleiner Campus wirkte. Ergebnis der Probenarbeit, so Kleiber, sei ein gut abgestimmtes Programm, das wie ein gutes Menü etwas Süßes, etwas Saures und auch eine gewisse Schärfe aufweisen würde. Und so präsentierte das JPON unter der Leitung des Dirigenten Gabor Hontvari ein kontrastreiches Programm von der Spätromantik bis zur Modernen.

Den Auftakt machte das JPON mit „Sechs Bagatellen“ des ungarischen Komponisten György Ligeti (1923-2006), die in der avantgardistischen Gestaltung ungewohnte Klangbilder erzeugten. Es folgte das Werk „Metamorphosen“ von Richard Strauß (1864-1949), das er aus Trauer über die im Zweiten Weltkrieg zerbombten deutschen Städte geschrieben hat. Das Ensemble konnte hier bereits zeigen, wie motiviert und gut abgestimmt sie in den Abend gingen. Die experimentelle Komposition „Octandre“ von Edgar Varese (1883-1965) war ungewohnt für die Zuhörenden, zeigte aber vor allem einmal mehr, wie viel Spielfreude und Begeisterung die Musikerinnen und Musiker mitbrachten. Das Konzert endete mit dem „Siegfried-Idyll“ von Richard Wagner (1813-1883), einer traumhaften Liebeserklärung an seine Frau Cosima. Das JPON konnte hier seine volle symphonische Stärke zeigen und unterstrich seine Professionalität mit diesem grandiosen Schlusspunkt.

Das Orchester kam in der Neuen Festhalle gut zur Geltung, die ihren Spitznamen „Eckphilharmonie“ bewies. Durch ihre Akustik, die technische Ausstattung und die räumliche Gestaltung konnten die Musikerinnen und Musiker des JPON ihr Können hervorragend zeigen. Das Orchester mit seinem sympathischen Dirigenten fühlte sich pudelwohl, und die Gäste genossen den Abend. Und auch Waldorfschule und Forum sind als Veranstalter nach dem erfolgreichen Auftakt überzeugt, dass die Eckphilharmonie als hochwertiger Konzertort noch viele wunderbare musikalische Erlebnisse ermöglichen wird.

Das JPON spielte „Trauer & Träume“ mittlerweile noch im Großen Sendesaal des NDR in Hannover und in Leer. Das Orchester will auch im nächsten Jahr auf seine Konzertreise wieder in Benefeld gastieren. JPON, Veranstalter und Gäste würden sich auf ein Wiedersehen freuen.

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