"Stille Nacht" ist die "Nationalhymne" von Weihnachten

11/2019 - In 320 Sprachen wird es gesungen, mehr als 200 Jahre ist es alt und eine der meistverkauften Singles aller Zeiten weltweit. Allein von der Version von Bing Crosby gibt es 10 Millionen Exemplare. "Stille Nacht, heilige Nacht" gehört zu Weihnachten wie der Tannenbaum. Ca. 130 Jahre später komponierte Irving Berlin das Lied "White Christmas", das als Filmmusik für "Holiday Inn" auch von Bing Crosby gesungen wurde und einen Oscar für die beste Filmmusik bekam, musikalisch vergleichbar war und ähnlich erfolgreich wurde. Dr. Wolfgang Brandes stellte die beiden Weihnachtslieder beim FORUM in einem Vortrag vor und die Parallelen der beiden Stücke gegenüber.

1818 führten der Organist Franz Xaver Gruber und Hilfspfarrer Joseph Mohr "Stille Nacht" zum ersten Mal in Oberndorf bei Salzburg vor. Von hier breitete es sich im deutschsprachigen Raum aus und gelangte mit Auswanderern als Kulturgut auch nach Amerika. Seine ursprüngliche Version hatte sechs Strophen, von denen eine auch die Hoffnung auf Völkerverständigung ausdrückte, die nach der Napoleonischen Zeit herrschte. Später wurde das Lied reduziert auf die erste, zweite und letzte Strophe.

Auch "White Christmas" hat eine wenig bekannte Vorstrophe, die üblicherweise nicht gesungen wird, dem Lied aber eine eher ironische als getragen stimmungsvolle Atmosphäre verschafft: Jemand singt davon, dass er sich bei Sonnenschein und unter Palmen in Beverley Hills befindet und nach weißen Weihnachten sehnt. Schließlich wurde die Vorstrophe weggelassen und damit die feierliche Seite des Weihnachtslieds betont. In dieser Form drückte auch "White Christmas" 1941 Hoffnung auf Frieden aus: Im Dezember griff Japan den US-Stützpunkt Pearl Harbour an und löste damit den Kriegseintritt der USA aus. Die Bevölkerung war geschockt, und Weihnachten 1941 wurde damit zu einem traurigen Fest mit Sorgen um die Zukunft.

Auch später waren "Stille Nacht" und "White Christmas" Sinnbilder für die weihnachtliche Sehnsucht nach Frieden, die in Kriegszeiten einen besonderen Kontrast hat: In der ersten Weihnacht des Ersten Weltkriegs 1914 entstand zwischen den Schützengräben der Deutschen und Briten zu Heiligabend eine inoffizielle Waffenpause. Die Soldaten spielten gemeinsam Fußball, feierten einen gemeinsamen Gottesdienst und sangen zusammen "Stille Nacht" in ihren Muttersprachen. Nach Weihnachten wurde wieder aufeinander geschossen. In den folgenden Kriegsweihnachten unterbanden die Heeresleitungen ähnliche Verbrüderungen.

Und auch "White Christmas" war noch Jahre später ein Friedenszeichen am Ende eines Kriegs: 1975 war der Weihnachtssong bei 44 Grad im Schatten das Signal für die Evakuierung der letzten amerikanischen Truppen aus dem damaligen Saigon in Vietnam. Für die amerikanischen Soldaten war damit der Krieg beendet.

Schließlich bekam "White Christmas" den Guinness-Buch-Eintrag für die meistverkaufte Single aller Zeiten. Die ursprüngliche Matrize war als Kopiervorlage am Ende so sehr abgenutzt, dass Bing Crosby den Song noch einmal identisch aufnehmen und einsingen musste.

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