EIBIA und Ortsgeschichte

08/2020 - Bei Renovierungsarbeiten in einem ehemaligen EIBIA-Gebäude in Benefeld stießen die Eigentümer auf eine schmale und unscheinbare Tür. Sie sieht aus wie eine gewöhnliche Kellertür, wie man sie in älteren Häusern oft antrifft. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckten sie drei Texte in kyrillischer Schrift. Ohne zu wissen, was auf der Tür geschrieben ist, waren sie aber sicher, dass sie ein historisches Dokument vor sich haben. Privat gab es Kontakte zur Gedenkstätte Sandbostel, und so gelangte die Tür aus Benefeld 1998 in das dortige Archiv des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag X B. Eine Gruppe vom FORUM fuhr nun nach Sandbostel und untersuchte das Exponat vor Ort.

06/2020 - Unter Corona-Hygienebedingungen konnte das FORUM endlich wieder eine EIBIA-Führung anbieten. Die zulässige Teilnehmerzahl war bei der Anmeldung schnell erreicht, so dass bald wegen des großen Interesses bereits die nächste Führung angeboten wird. Historiker Thorsten Neubert-Preine erläuterte die Hintergründe und Entstehung der damals größten Pulverfabrik im Dritten Reich, die mit ihren drei Standorten Benefeld, Liebenau und Dörverden im Zweiten Weltkrieg mehr als 20 % des Pulverbedarfs der Wehrmacht abdeckte. Der Referent kann dabei auf vielfältige Informationen zurückgreifen, die er in vielen Jahren Arbeit durch Recherche zusammengetragen hat.

Für diese Recherche gibt es immer wieder neue Möglichkeiten, mittlerweile auch im Internet fündig zu werden. Zum Beispiel hat der ehemalige Internationale Suchdienst in Arolsen, heute "International Center on Nazi Persecution", Schritt für Schritt seine Bestände in Online-Archiven zur Verfügung gestellt. So kann darin nach Familienangehörigen oder historischen Zusammenhängen geforscht werden. Die "Arolsen Archives" gehören damit zu den weltweit großen Einrichtungen zur Aufarbeitung der Verbrechen des Nazi-Regimes.

06/2020 - Die ungewöhnlichen Gebäude, die bei der letzten FORUM-Fahrradtour "Historische Gebäude" besucht und vorgestellt wurden, zeigen die besondere Geschichte von Bomlitz und Benefeld. Das ehemalige Gasthaus "Pulverkrug" ist eines dieser Beispiele, deren Architektur deutlich über das hinausgeht, was man in der Region kennt. Linsenfenster, Mansardgiebel und Fledermausgauben sind z.B. architektonische Elemente, die man findet, wenn man sich das Gebäude in Ruhe anschaut. Ähnlich ist es mit Wohlfahrtsgebäude, Ledigenheim und Bahnhofsgebäude, die in Bomlitz gemeinsam mit dem Pulverkrug das denkmalgeschützte Ensemble "Sozialgebäude Bahnhofstraße" bilden.

20200225 Briefmarken Muster hoch05/2020 - Die Kirchengemeinde Meinerdingen hatte bereits Briefmarken ihrer Kirche herausgegeben, das FORUM hat nun die gute Idee nachgemacht: Die Cordinger Mühle und zwei EIBIA-Gebäude sind jetzt als Briefmarken-Motive erhältlich. Mit den Briefmarken zum "Gedenkort EIBIA" soll auch daran erinnert werden, dass vor 75 Jahren mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Region und mehrere tausend Fremd- und Zwangsarbeiter der Pulverfabrik EIBIA befreit wurden. Die FORUM-Veranstaltungen zu diesem Thema werden wegen der Corona-Zwangspause auf die zweite Jahreshälfte geschoben.

Der Preis je reguläre 0,80-EUR-Briefmarke beträgt 1,50 EUR. Sie können per Mail bestellt werden unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Der Überschuss aus dem Briefmarkenverkauf wird für die Pflege der Geschichtsinfotafeln in der EIBIA verwendet.

04/2020 - Am 16. April 1945 endete der 2. Weltkrieg in der Region Bomlitz. Die britische Armee hatte bei Jarlingen noch ein letztes Gefecht, nahm kampflos Benefeld ein und befreite mehrere Tausend Fremd- und Zwangsarbeiter in den Lagern der EIBIA. Die deutschen Opfer des letzten Tags sind auf dem Borger Friedhof beigesetzt, die nicht-deutschen Opfer auf dem Ehrenfriedhof in Bomlitz. Am Tag vorher hatten die Briten das Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit. Bis zum 8. Mai 1945 dauerte es noch, bis in ganz Europa der Wahnsinn ein Ende hatte. Sie finden hier die Chronologie der letzten Kriegstage in der Region Bomlitz zusammengestellt aus mehreren örtlichen Quellen. 

04/2020 - Bereits ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung 1933 fragte das Heereswaffenamt bei der Firma Wolff & Co. nach, was eine Pulverfabrik besonderen Ausmaßes kosten würde. 1935 kam es zum Vertragsabschluss zum Bau der "EIBIA GmbH für chemische Produkte" über 380 Millionen Reichsmark. In wenigen Jahren entstanden anschließend die Standorte in Bomlitz, Liebenau und Dörverden mit den dazugehörigen Siedlungsbauten in Bomlitz und z.B. Walsrode. Raumordnungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfung gab es nicht, Höfe, die im Weg standen, wurden enteignet, Arbeitskräfte wurden mit Druck verpflichtet, und: Geld spielte keine Rolle, solange es um die Kriegsvorbereitung ging.

02/2020 - Historiker Thorsten Neubert-Preine hat bereits viele Male Gäste durch die Ausstellung zu "200 Jahre Industriegeschichte in Bomlitz" geführt. Aus dem geschichtlichen Rundumblick  wird klar: Die Entwicklung der Region Bomlitz und der Firma Wolff & Co. waren nicht nur eng miteinander verbunden, sondern in weiten Teilen der beiden Jahrhunderte im Prinzip eine gemeinsame. Eine solche Symbiose ist selbst an traditionell großen Industriestandorten selten zu finden. Bomlitz entwickelte sich auf diese Art zum Industriestandort, während Walsrode und Bad Fallingbostel Gerichte und Verwaltungen bereitstellten und kleinstädtischen Charakter bekamen.

19430122 eibia arbeitsvertrag10/2019 - Wenn Historiker Thorsten Neubert-Preine wie im Oktober für das FORUM durch den "Denkort" EIBIA führt, erläutert er den historischen Zusammenhang und die Hintergründe der damals größten Pulverfabrik im Dritten Reich. In vielen Jahren Forschung und Archivarbeit hat er mit Unterstützung von anderen Interessierten zahlreiche Steinchen zu einem Mosaik zusammengesetzt. Das Gesamtbild ist aber noch lange nicht komplett. Und nicht selten findet man einen Hinweis, der auf den ersten Blick unscheinbar ist und erst im Zusammenhang Bedeutung bekommt. Gelegentlich öffnen solche Hinweise ganze Themenfelder, die bislang noch unbeleuchtet waren.

12/2019 - Fünf Wochen, nachdem die Briten die Region 1945 befreiten, wollte ein polnisches Paar heiraten. Sie luden ihre Gäste ein und wollten am 20. Mai feiern, aber die Feier endete in einer Katastrophe, als man Methylalkohol trank, den man für gewöhnlichen Schnaps hielt. Allein 16 polnische Opfer sind auf der Gedenkplatte auf dem Bomlitzer Friedhof vermerkt. Mehr als 30 Opfer waren es insgesamt, es war wohl die schlimmste Katastrophe durch einen Unfall in der Geschichte der Region. Die alte Gedenkplatte aus Beton ist nun mit Spenden von Dow und dem Rotary Club ersetzt worden, um die Erinnerung und das Andenken zu erhalten.

11/2019 - Das Interesse an den FORUM-Führungen von Thorsten Neubert-Preine durch die Ausstellung zur Bomlitzer Industriegeschichte ist ungebrochen. Aus mehr als 200 Jahren lokaler Geschichte zeigt der Historiker dabei Exponate wie z.B. dieses Produktplakat vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Das rauchlose Pulver hatte sich zu dieser Zeit auch bei Wolff & Co. seit 1888 zu einem Exportschlager entwickelt, der unter anderem auf dem Seeweg international vertrieben wurde. Neben der Produktion von Jagdpatronen wurden in diesem Zug die Pulverbetriebe weiter ausgebaut, um für den Mobilmachungsfall gerüstet zu sein.

05/2019 - Bei der FORUM-Führung über den historischen Walsroder Friedhof machte Thorsten Neubert-Preine auch Station am Kriegsgräberfriedhof. Er wies auf eine Besonderheit hin, die in den 1950er Jahren noch üblich war: Die deutschen Kriegsopfer ruhen auf einer Fläche in der Friedhofsmitte. Der Ausländerfriedhof mit unter anderem Russen und Polen wurde 1959 am Rand des Friedhofs am Zaun eingerichtet. Auf dem Bomlitzer Friedhof sieht es scheinbar anders aus: Das Ehrengrabfeld für Ausländer liegt zentral. Zu Beginn lag er allerdings auch am Rand: Im Laufe der Jahrzehnte wurden der Friedhof nur so erweitert, dass das Ehrengrabfeld in die Mitte des Friedhofs "rückte".

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