Was wären 380 Mill. Reichmark heute wert?

04/2020 - Bereits ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung 1933 fragte das Heereswaffenamt bei der Firma Wolff & Co. nach, was eine Pulverfabrik besonderen Ausmaßes kosten würde. 1935 kam es zum Vertragsabschluss zum Bau der "EIBIA GmbH für chemische Produkte" über 380 Millionen Reichsmark. In wenigen Jahren entstanden anschließend die Standorte in Bomlitz, Liebenau und Dörverden mit den dazugehörigen Siedlungsbauten in Bomlitz und z.B. Walsrode. Raumordnungsverfahren und Umweltverträglichkeitsprüfung gab es nicht, Höfe, die im Weg standen, wurden enteignet, Arbeitskräfte wurden mit Druck verpflichtet, und: Geld spielte keine Rolle, solange es um die Kriegsvorbereitung ging.

Welchen Wert hätte die Investitionssumme von 380 Millionen Reichsmark heute in EUR?

Die Reichsmark war Zahlungsmittel im Deutschen Reich und noch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg von 1924 bis 1948. Einen Wechselkurs für Reichsmark in 1935 zu EUR in 2020 gibt es nicht belastbar. Heranziehen kann man einen Kaufkraft- und Einkommensvergleich, der aber durch die Veränderung in Volkswirtschaft und Gesellschaft im Laufe von 85 Jahren auch nur eine Annäherung sein kann.

Die sogenannten Kaufkraftäquivalente einer Reichsmark von 1937 werden von der Deutschen Bundesbank bezogen auf die Kaufkraft des EUR zum Stand August 2019 mit 4,10 EUR angegeben. Sie orientieren sich an einem Warenkorb des täglichen Lebens, und allein das zeigt bereits, wie schwierig es ist, historische Wechselkurse zu ermitteln. Der heutige Warenkorb beinhaltet z.B. Kosten für Telekommunikation oder Benzinkosten, die damals noch keine Rolle spielten. Darüberhinaus wurde Brot vor mehr als achtzig Jahren noch nicht in der heutigen industriellen Form hergestellt und hatte relativ einen anderen Preis und auch eine höhere Bedeutung im täglichen Leben.

Große Unsicherheiten entstehen beim Vergleich genauso beim Kriterium der durchschnittlichen Einkommen, der Kosten für einen Hausneubau oder auch durch Effekte von Inflation und Absicherung durch Sozialversicherungen. Würde man dennoch den Kurs der Bundesbank von 4,10 EUR/RM annehmen, hätte die EIBIA mit heutigen Maßstäben einen umgerechneten Wert von ca. 1,6 Milliarden EUR gekostet. Berücksichtigt man zusätzlich, dass heute öffentliche Projekte dieser Größenordnung glücklicherweise rechtlich und politisch anders organisiert werden als in einem totalitärem Regime mit autoritärem Wirtschaftsdirigismus, darf man sicherlich von mehr als 2,5 Milliarden EUR ausgehen für einen Konzern von Pulverbetrieben wie der EIBIA. Wie gesagt: Geld spielte für das Dritte Reich keine Rolle, solange es um Kriegsvorbereitung ging.

Wer übrigens noch auf dem Dachboden oder im Keller Reichsmark findet, braucht sich keine Hoffnungen zu machen. Die Bundesbank tauscht sie nicht mehr um. Hier würde sicherlich nur noch Ebay als "Wechselstube" geeignet sein.

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