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EIBIA und Ortsgeschichte

20190928 eibia liebenau 2a09/2019 - Bei FORUM-Führungen durch die EIBIA in Bomlitz braucht man an einigen Stellen Phantasie, sich bei den Trümmern und Ruinen vorzustellen, wie es wohl vor mehr als siebzig Jahren ausgesehen hat. Der EIBIA-Standort in Liebenau wurde nach dem Krieg von den Briten weiterverwendet und nicht wie der in Benefeld zum größten Teil gesprengt. Bei einem Besuch beim örtlichen Geschichtsverein leitete der Historiker Martin Guse die Bomlitzer Gäste durch das Gelände. E-Karren-Wege, die in der Bomlitzer EIBIA oft nur erahnt werden können, sind in Liebenau noch komplett erhalten, Manche Gebäude haben noch Werksuhren, und viele Versorgungsleitungen sind noch in Takt.

09/2019 - Seit Beginn des 18. Jahrhunderts gab es in Walsrode eine kleine jüdische Gemeinde. Noch heute besteht der jüdische Friedhof als Zeichen dieser Historie, die mit der Reichsprogromnacht 1938 vor Ort endete. Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine führte für das FORUM durch Walsrode und erinnerte an die Spuren jüdischen Lebens in der Stadt. Der Weg führte vom Gebäude der ehemaligen Synagoge in der Langen Straße zu ehemaligen Geschäften, die jüdischen Bürgern gehörten, und einigen der sechs Stolpersteine, die in der Stadt eingelassen worden sind. Abschließend besuchte die Gruppe den jüdischen Friedhof in der Hannoverschen Straße.

09/2019 - Wo es Gräber gibt, gab es auch Siedlungen. Die ältesten Besiedlungsspuren in der Gemeinde Bomlitz reichen bis in die Bronzezeit. Gesellschaftlich entwickelte sich das Zusammenleben vom Jagen und Sammeln zu Ackerbau und Viehzucht. Der Mensch wurde sesshaft und machte sich sein Leben einfacher, indem er z.B. seine Beutetiere nah bei sich einsperrte. Und wo das lebenswichtige Wasser war, siedelten die Menschen. Mit Warnau, Bomlitz und Böhme hatte die Region Bomlitz damit günstige Bedingungen, und die archäologischen Spuren beweisen das. Torsten Kleiber vom FORUM stellte diese Spuren bei einer Führung zu den Borger Hügelgräbern und der Borger Burg vor.

 

06/2019 - Wenn Historiker Thorsten Neubert-Preine durch die EIBIA führt, kommen immer wieder interessante Kontakte mit Teilnehmenden zustande. Oft gibt es Hinweise oder sogar Relikte aus der EIBIA, die weitere Mosaiksteine für das historische Bild der EIBIA ausmachen. Bei einer der letzten Führungen bekamen die FORUM-Vertreter einen Hinweis auf ein explosionsgeschütztes Telefon. Einen fast verrotteten Hörer hatte man bereits vor vielen Jahren auf dem EIBIA-Gelände gefunden, nun habe man ein baugleiches Telefon aus einer anderen Nutzung gefunden, das zu dem Hörer passte. 14 KG wiegt das Telefon und verhinderte in der Pulverproduktion der EIBIA ein lebensgefährliches Risiko.

05/2019 - Dr. med. Heinrich Carl Bock (1797 bis 1884) war im 19. Jahrhundert der zuständige Landarzt mit Praxis in Fallingbostel. Sein Gebiet reichte von Visselhövede bis Bergen und von Wietzendorf bis in die Allermarsch und umfasste damit auch die heutige Gemeinde Bomlitz. Als Erinnerung an eine besondere Begebenheit pflanzte er 1849 auf dem Weg nach Kroge an der heutigen K164 (Höhe Einbiegung Richtung Fimmelsen) eine Eiche, die später mit einem Gedenkstein ergänzt wurde. Bei seiner Einweihung bekräftigte man: "Sein Andenken ist im Herzen der Bevölkerung festgewurzelt, wie dieser Baum." Den Stein gibt es noch, der Baum musste vor einigen Jahren weichen.

05/2019 - 1941 entkam die 15-jährige Regina Gutman zwar dem Ghetto im polnischen Radom, wurde aber zur Zwangsarbeit in eine Munitionsfabrik in das Lager Pionki gebracht. Dort lernte sie Shmuel Spiegel kennen, der 1942 aus dem Ghetto Kozienice kam. Im Herbst 1944 wurden sie verlegt nach Auschwitz-Birkenau, wo Frauen und Männer direkt nach der Ankunft getrennt wurden. Regina wurde als Zwangsarbeiterin nach Benefeld zur EIBIA in das Lager Sandberg gebracht. Regina und Shmuel versprachen sich, zu überleben und sich nach dem Krieg wieder zu finden. Shmuel gravierte zu diesem Anlass ihre Initialen RG und SS in eine Seifendose zusammen mit einem Amorherz.

03/2019 - Die Gemeinde Bomlitz bereitete die EIBIA als Naherholungsgebiet in den 1980er Jahren vor und demontierte die kritischen Versorgungsleitungen. Druckleitungen für Fernwärme und Brauchwasser verblieben im Gelände und treten noch gelegentlich zutage. Die Leitungen auf dem Foto befinden sich in einem Versorgungsschacht, der neben einem offiziellen EIBIA-Weg nicht weiter auffällt. Aber Vorsicht: Die Rohre sind zwar ungefährlich, die Schächte allerdings brüchig und baufällig. Sie dürfen wegen Verletzungs- und sogar Lebensgefahr nicht betreten werden. Man sollte diese Warnung dringend ernst nehmen.

03/2019 - Die Firma Wolff produzierte bereits Pulver für den Ersten Weltkrieg und genauso Jahrzehnte vorher. Die Anlage Haßmoor an der Bomlitz hatte mehrere Pulvermühlen und auch Fertigwarenlager. Und auch wenn nach 1918 der Versailler Vertrag verbot, weiter Pulver für das Militär herzustellen, überbrückte man diese Zeit mit der Produktion von Jagdmunition. Das letzte Explosionsunglück mit Todesfällen ereignete sich schließlich direkt nach dem Zweiten Weltkrieg 1945: Die Briten hatten die Anlage Haßmoor stillgelegt, Schüler fanden aber Pulverreste, spielten damit und lösten eine Detonation aus. Thorsten Neubert-Preine führte für das FORUM mehr als fünfzig Interessierte zu den Ruinen.

 

20181004 E Karre in Benefeld10/2018 - Bomlitz und Benefeld sind reich an historischen Gebäuden, die vor allem zeigen, wie beide Orte sich in den letzten 120 Jahren entwickelt haben. Die Gebäude erzählen Geschichte(n), die Torsten Kleiber vom FORUM bei einer Fahrradtour vorstellte. Neben den Bauwerken besuchte die Gruppe zur Kaffeepause einen anderen "Geschichtenerzähler": Eine Original-Elektrokarre aus der EIBIA hat das FORUM als Dauerleihgabe bekommen, die wohl auch viele Begebenheiten und vor allem vom Alltag in der damals größten Pulverfabrik im Dritten Reich erzählen könnte.

09/2018 - Klaus Seckel vom Gut Charlottenthal bei Dorfmark war 16 Jahre alt, als er 1945 in Auschwitz zu Tode kam. Seine Eltern hatten ihn in einem niederländischen Internat vor den Nazis schützen wollen, wo er auch einige Jahre verbrachte. In dieser Zeit schrieb er Tagebücher, in denen er lebendig, feinsinnig und auch altersgemäß seinen Alltag beschrieb: Greifbar werden seine Entwicklung vom Kind zum Jugendlichen, sein Heimweh und seine beklemmende Erkenntnis, wie Schritt für Schritt die alltägliche Bedrohung durch die Nazis wuchs. Dr. Wolfgang Brandes stellte die Tagebücher beim FORUM in einer Lesung vor: ein Zeitdokument, das Schullektüre werden sollte.

10/2018 - Gewöhnlich hat Historiker Thorsten Neubert-Preine vom FORUM vierzig bis fünfzig Teilnehmende bei einer öffentlichen EIBIA-Führung. Bei der letzten Führung in diesem Jahr waren es bei bestem Spaziergangswetter überraschend mehr als 150 Interessierte. Die große Gruppe zeigte viel Disziplin und hörte aufmerksam zu, wenn Neubert-Preine an den verschiedenen Stationen die Geschichte der ehemals größten Pulverfabrik im Dritten Reich erläuterte. Er wäre sonst wohl nach kurzer Zeit heiser gewesen. Mit großen Trauben um den Referenten herum funktionierte die Tour.

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