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EIBIA und Ortsgeschichte

06/2021 - Für das Herstellen von Bronze braucht man Kupfer und Zinn und vor allem Knowhow. Und da es das im norddeutschen Raum und speziell im heutigen Heidekreis um 1.800 v. Chr. noch nicht gab, kam Bronze nur über Händler aus Südosteuropa und dem Nahen Osten in die Region. Bronze wurde ein Wertgegenstand, den sich nur Menschen leisten konnten, die mit anderen Wertgegenständen bezahlen konnten. So entstand etwas, was in der Steinzeit noch unbekannt war:  gesellschaftliche Unterschiede.

06/2021 - Auf ungewöhnlichen Wegen hat eine Sammlung von EIBIA-Dokumenten den Walsroder Stadtarchivar Thorsten Neubert-Preine erreicht. Der Fund bringt neue Aspekte in die historische Betrachtung und ist in dieser Form ein Glücksfall. Er ist auch eine Erinnerung daran, dass man alte Unterlagen aus Nachlässen nicht leichtfertig wegwerfen sollte. 

05/2021 - Die EIBIA stellte im Zweiten Weltkrieg für die Deutsche Wehrmacht Pulver her. Es wurde für Granaten verwendet, für Bomben, Torpedos oder Patronen. Bei dieser Produktion spielte Arbeitsschutz nur eine begrenzte Rolle, Gewässer- und Umweltschutz im Prinzip gar keine. In der betriebsinternen Logistik war man hingegen in der EIBIA mit Elektrokarren und Dampfdrucklokomotiven schon vor mehr als achtzig Jahren klimafreundlich aufgestellt. Halt nur nicht mit Absicht.

05/2021 - Die Firma Wolff wuchs stark im internationalen Pulvergeschäft und hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein unausgesprochenes Erfolgsrezept: Sind die Arbeiter zufrieden und gesund, läuft der Betrieb gut und ohne Störungen, und die Firma verdient Geld. Heute nennt man das "Win-Win"-Strategie. Und dieses "Win-Win" kann man noch heute in der Architektur des Bomlitzer Ortskerns erkennen.

05/2021 - Nach der Befreiung 1945 wurden die Produktionsanlagen der EIBIA von den Briten demontiert und die meisten der mehr als 300 Gebäude bis 1950 gesprengt. Zu den Gebäuden, die erhalten blieben, gehört die Filterstation bei den Benefelder Hügelgräbern. Hier hat eine von den wenigen "friedlichen" EIBIA-Produktionsanlagen die Zeit überdauert: Die Filterstation versorgte die Pulverfabrik mit Trinkwasser und bis 1998 auch Benefeld.

05/2021 - In Niedersachsen gibt es seit 2008 die Initiative "frauenORTE", bei der in Orten bedeutende Frauenpersönlichkeiten vorgestellt werden. In Benefeld gibt es zwar keine überregionale Prominenz, trotzdem hat das FORUM eine Führung zu Orten zusammengestellt, an denen die Biographien von bemerkenswerten Frauen präsentiert werden. Dazu gehören unter anderem Dorothea Heino, Gutsbesitzerin im 19. Jahrhundert, Alice Schmidt und die polnischen Jüdinnen Tema Gutwaks und Regina Gutman. 

gutman regina 203/2021 - Allein aus dem Westen Europas wurden im Dritten Reich mehr als 12.000 Menschen verschleppt und in der EIBIA als Zwangsarbeitskräfte eingesetzt. Aus dem Osten Europas sind es schätzungsweise noch deutlich mehr gewesen. Für viele gibt es nur einen Eintrag in langen Listen, die jetzt nach und nach in eine Datenbank gebracht werden. Für andere findet man mehr Spuren und Quellen, und gelegentlich gibt es auch Kontakte zu Zeitzeugen und Nachfahren, die mehr Hintergrund geben können. Auch im Internet sind immer mehr Archive geöffnet und sogar Filmmitschnitte von Zeitzeugen-Interviews zu finden. Das Foto rechts zeigt Regina Gutman vor ihrer Deportation ...

10/2020 - Einen Ort wie Bomlitz findet man selten in Deutschland. Oft findet man Siedlungen, die sich an einem Gewässer bilden und einen Marktplatz oder vielleicht sogar eine Kirche im Mittelpunkt haben. Drumherum bildet sich Handwerk und später entwickeln sich im Außenbereich Fabriken. In Bomlitz hingegen gab es zuerst eine Mühle, aus der eine Fabrik wurde, und dann erst entstand um die wachsende Industrie herum eine Siedlung.  Historiker Thorsten Neubert-Preine hat nun die komplette Geschichte von Bomlitz von den ersten Spuren bis zur Eingemeindung nach Walsrode in einem Rückblendeheft aufbereitet.

10/2020 - Ein Besuch der EIBIA in Liebenau ist immer wieder erkenntnisreich. Die Größe und die damalige Geschwindigkeit des Bauvorgangs und Modernität der Technik sind beeindruckend. Wie in jedem Jahr besuchte eine FORUM-Gruppe den Partnerverein in Liebenau und durfte unter anderem ein ehemaliges Kraftwerk, Gebäude der Produktionsanlagen und ein Trockenhaus besichtigen. Sie wurde geführt von Historiker Martin Guse, der betonte: "Diese Anlagen konnten entstehen, weil Geld, Eigentum, Umwelt und vor allem Menschenleben keine Rolle spielten." 

09/2020 - Am 09. November 1938 traf sich die Walsroder SA gegenüber vom Hotel Hannover und bekam mitgeteilt, dass sich an diesem Abend "spontan der Volkszorn" gegen die jüdische Bevölkerung entladen würde. Die Feuerwehr wurde instruiert, dass sie entstehende Brände nicht löschen solle, sondern in erster Linie verhindern müsse, dass das Feuer auf die "arischen" Häuser übergreife. Am Kirchplatz war die Jüdin Edith Hurwitz nicht zuhause, als ihr Haus brannte.  Sie verkaufte nach ihrer Rückkehr das zerstörte Haus für einen Restwert und verließ die Stadt. Schließlich wurde sie nach Minsk deportiert, wo sie auch ermordet wurde. Historiker Thorsten Neubert-Preine erinnerte bei einer FORUM-Führung durch die Stadt an die jüdischen Menschen, die damals in Walsrode lebten.

08/2020 - Bei Renovierungsarbeiten in einem ehemaligen EIBIA-Gebäude in Benefeld stießen die Eigentümer auf eine schmale und unscheinbare Tür. Sie sieht aus wie eine gewöhnliche Kellertür, wie man sie in älteren Häusern oft antrifft. Erst bei genauerem Hinsehen entdeckten sie drei Texte in kyrillischer Schrift. Ohne zu wissen, was auf der Tür geschrieben ist, waren sie aber sicher, dass sie ein historisches Dokument vor sich haben. Privat gab es Kontakte zur Gedenkstätte Sandbostel, und so gelangte die Tür aus Benefeld 1998 in das dortige Archiv des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag X B. Eine Gruppe vom FORUM fuhr nun nach Sandbostel und untersuchte das Exponat vor Ort.

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