Kleine Mühlenprüfung zum Denkmaltag

09/2020 - Die Cordinger Mühle ist gerade am Deutschen Denkmaltag ein Ort, den man besucht haben sollte. "Chance Denkmal: Erinnern. Erhalten. Neu denken." ist in diesem Jahr das Motto. Und auch, wenn es zurzeit leider nicht möglich ist, wie in den vergangenen Jahren ein kleines Volksfest anzubieten, gab es Führungen und einen Laufzettel zum Selbstlernen als kleine Mühlenprüfung. Die ausführlichen Lösungen zu diesem Laufzettel finden Sie  hier.

 1. Welcher Fluss treibt das Wasserrad der Cordinger Mühle an?
Okay, wenn Sie das nicht sowieso wissen, hier eine Auswahl: Rhein – Böhme – Elbe – Bomlitz – Weser – Warnau – Aller

Es ist natürlich die Warnau, die in Behningen entspringt und durch Jarlingen und Benefeld/Cordingen fließt. Schließlich mündet sie an der Borger Burg in die Böhme. Im Mittelalter wurden von Jarlingen bis Cordingen drei Mühlen von der Warnau angetrieben.

2. Die ursprüngliche Eingangstür der Mühle ist an der Seite der Wehrbrücke. Was erkennen Sie noch von der Inschrift?
Mindestens den Namen der Müllersfrau kann man noch entziffern.

1810 baute Friedrich Heinrich Fuhrhop auf den Grundmauern einer vorherigen Mühle das Mühlengebäude, das es heute noch gibt. Wie üblich verewigte sich der Bauherr im Türsturzbalken der Haupteingangstür, die sich anders als heute an der Seite der Wehrbrücke befindet. Von der Inschrift, die heute zwar bereits zum größten Teil verwittert und ausgeschleift ist, sind noch Fragmente erkennbar. So sind sein Name „Friedrich Fuhrhop“ und der seiner Frau „Catrina gebohrene Springhorn“ noch gut zu lesen, gefolgt von einem „Gott sei mit uns“ und der Zeile eines damals aktuellen Kirchenlieds von Johann Arndt aus dem Jahr 1806: „Frucht der Trübsal ist Freude“. Scheinbar hat der Bauherr mit dieser Inschrift ausdrücken wollen, dass man mit dem Neubau nach dem wirtschaftlichen Rückschlag durch die Zerstörung des alten Mühlengebäudes nun optimistisch auf eine bessere Zukunft hoffte.

3. Die Zarge der heutigen Haupttür zeigt von innen eine Besonderheit. Was daran sieht ungewöhnlich aus?
Die Zarge ist die Einfassung der Tür.

Der linke Zargenpfosten war offensichtlich vorher der Türsturzbalken eines anderen Hauses. Noch sehr deutlich ist eine Inschrift zu lesen. Baustoffe waren rar und teuer und wurden nach Möglichkeit wiederverwendet, wenn sie passten.

4. Aus welchen Schritten besteht die Reinigung des Getreides, die vor dem Mahlen mit der Wasserkraft angetrieben wird?
Die Automaten befinden sich überwiegend im Obergeschoss der Mühle. Nehmen sie gern an einer Führung teil oder schauen Sie sich das Faltblatt mit Querschnitt der Cordinger Mühle an.

In einem ersten Schritt werden mit einem Magneten Metallbestandteile aus dem Getreide entnommen. Anschließend wird es im Aspirateur gesiebt und mit einem Luftstrom von der Spreu getrennt. Hier wird "die Spreu vom Weizen getrennt". Anschließend werden im Trieur Wildkrautsamen und Getreide voneinander getrennt und in der Schälmaschine der ölige Keim am Getreidekorn abgeschlagen.

5. Jede Mühle hatte auch immer eine Mühlenkatze. Welchen Job hatte sie dort, und wo ist die Cordinger Mühlenkatze?
Sie ist ca. 4 cm hoch, aus Porzellan und schaut durch ein Fenster.

Wo Getreide war, lebten auch immer Mäuse. Die Katzen hielten die Nager in Grenzen, damit sie keine Plage wurden. Die kleine Katze der Cordinger Mühle finden Sie in einem Fenster auf der Westseite des Gebäude.

6. Was sind die zwei Möglichkeiten, das Getreide von einer Etage zur nächsten zu transportieren?
Auch das können Sie bei einer Führung erfahren oder im Faltblatt finden.

In der Cordinger Mühle wurden die Getreidesäcke nach dem Wiegen im Erdgeschoss mit dem Sackaufzug auf der östlichen Außenseite der Mühle in das Obergeschoss gehoben. Innerhalb der Mühle wurde das Mahlgut mit einem Becherelevator von einem Arbeitsgang zum nächsten transportiert. Beide Transportsysteme werden mit der Wasserkraft betrieben.

7. Welche Märchen, Sagen oder Geschichten kennen sie, in denen Mühle oder Müllersleute vorkommen?
Die Köpfe von zwei bekannten Figuren stehen gleich rechts in der Mühle auf der Heizung.

"Max und Moritz" von Wilhelm Busch dürfte überall bekannt sein. In den Grimmschen Märchen spielt die Müllerei eine Rolle z.B. bei "Rumpelstilzchen" (das angeblich Gold spinnende Mädchen ist eine Müllerstochter), bei den "Bremer Stadtmusikanten" hat der Esel sein Leben lang an einer Mühle gearbeitet, und beim "Gestiefelten Kater" ist das Herrchen des Katers einer von drei Müllersöhnen, der als letzter seinen Anteil vom Erbe des Vaters bekam. Und auf der Grundlage einer sorbischen Sage hat Ottfried Preußler den "Krabat" geschrieben, in dem der "schwarze Müller" wohl der Teufel oder zumindest einer seiner Freunde ist, der nur mit wahrer Liebe besiegt werden kann.

8. Welches Gebäude auf dem heutigen Mühlenhof stand ursprünglich an einem anderen Ort?
Zu Mühlenhof werden die Mühle, das Müllerhaus und das Backhaus gezählt.

Mühle und Müllerhaus wurden bei der Sanierung in den früheren 1980er Jahren mit einem Backhaus aus dem 19. Jahrhundert ergänzt, das in Owe bei Hamwiede abgebrochen und auf dem Mühlenhof neu aufgeschlagen wurde. Es hatte einen Lehmofen, und so gab es vor Ort nicht nur die Möglichkeit, Getreide zu mahlen, sondern das Mehl auch zu Brot weiterzuverarbeiten.

9. Wofür wird die Cordinger Mühle heutzutage ca. sechzig Mal im Jahr genutzt?
Die Mühle macht es sechzig Mal, man selbst sollte das nach Möglichkeit nur einmal tun.

In der Mühle kann man seit 1998 heiraten. Sie wird dabei geschätzt als schöner Ort, der aber nicht zu feierlich ist. Besonders für Fotos des Brautpaars bietet sie viele Perspektiven.

 

Ach und übrigens: Der Müllersgruß "Glück zu", enspricht dem "Glück auf" der Bergleute oder dem "Petri heil" der Angler. Man wünschte sich, dass der nächste Geselle  das Glück "ZU" seinem neuen Chef bringen würde.

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