"... oder nach America auswandern will"

02/2020 - Man gibt lieber aus "warmen Händen", statt nach dem Tod zu vererben. Und so setzte der Eigentümer der Cordinger Mühle, der 59-jährige Müller Johann Georg Heino, mit seinem ältesten Sohn Heinrich Wilhelm Heino im Jahr 1860 einen "Uebergabe-Contract" auf. In diesem Vertrag vermachte er seinem Sohn die Mühle, nicht aber ohne für sein eigenes Altenteil vorzusorgen und Pflichtteile für die Geschwister seines Sohnes festzulegen. Torsten Kleiber vom FORUM erklärte bei der letzten Führung durch die Mühle die Inhalte des Schriftstücks, das einige überraschende Passagen beinhaltet.

So sicherte Heino sen. sich selbst lebenslang freie "Kost und Logie" im Müllerhaus, wobei auch im Detail definiert wurde, woraus z.B. sein Bett bestehen musste. Auch das Deputat des "alten Herrn" wurde geregelt mit einem jährlichen Anteil an der Weizen-, Obst und Gemüseernte. Zusätzlich legte der Vertrag fest, dass ihm jeden Sonntag ein Pferdegespann zur Verfügung stehen musste, mit dem er zur Kirche fahren konnte.

Schließlich wurden die Pflichtteile für die Schwestern mit 2000 Talern Curant festgesetzt, und auch der jüngere Bruder wurde bedacht. Der wurde im Alter von 17 Jahren wegen wiederholter Brandstiftung in Celle zum Tode verurteilt und später zu lebenslanger Haft begnadigt. Auch er sollte nach dem Übergabevertrag einen Anteil von 1500 Talern erhalten: Falls er doch einmal wieder seine Freiheit erlangen würde, solle der Bruder Startkapital für ihn bereithalten, damit er nach Amerika auswandern könne.

Die Führung fand mit "Simultanübersetzung" statt: Kleiber erläuterte in Hochdeutsch, und Oskar Hein, Plattdeutschbeauftragter im Heidekreis, übersetzte direkt in die "norddeutsche Landessprache". Dieser ungewöhnliche Aufbau der Führung sorgte nicht selten für Schmunzeln, hatte aber einen authentischen Hintergrund. Denn das Leben und die Arbeit an und in der Cordinger Mühle hat in den mehr als 600 Jahren ihres Bestehens im Prinzip nie auf Hochdeutsch, sondern immer nur auf Plattdeutsch stattgefunden. Realistischer ist es also, sich die Menschen an der Mühle in Plattdeutsch vorstellen.

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