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Nach über 100 Jahren zum ersten Mal aus dem Haus

06/2018 - Die Windfege aus der Cordinger Mühle ist wohl um das Jahr 1900 gebaut worden. Ungefähr seit dieser Zeit wird sie auch in der Cordinger Mühle gestanden und damals für kleine Mengen gedroschenes Getreide "die Spreu vom Weizen getrennt" haben. Für große Lieferungen stand bereits damals ein Aspirateur in der Mühle: ein Automat, der angetrieben durch das Wasserrad mit der Wasserkraft die Spreu mit einer Art Schaufelrad als Ventilator durch ein "Auspuffrohr" nach draußen blies. Die Windfege machte sich bei ihrem Ausflug auf den Weg zum Eine-Welt-Fest an der Paulus-Kirche in Bomlitz.

Hier wurde gezeigt, welche Arbeitsgänge nötig sind und waren, bis man Mehl hergestellt hat, ohne das es kein Brot als eines der wichtigsten Lebensmittel geben würde. "Unser tägliches Brot gib' uns heute" war dann auch das Motto des diesjährigen Eine-Welt-Tag, bei dem das FORUM teilnahm und die Funktionsweise der Windfege demonstrierte.

In den heutigen Industrieländern wird bereits vollautomatisch beim Ernten des Getreides auf dem Mähdrescher gedroschen, und Strohballen kommen quaderförmig aus dem Drescher genauso wie das bereits gereinigte Korn. Ein Kilogramm weißes (!) Mehl kostet im Supermarkt weniger als 0,50 EUR. Die Windfege erinnerte daran, dass man für das lebenswichtige Mehl noch vor weniger als hundert Jahren auch bei uns mehr arbeiten, manchmal sogar kämpfen musste. Und sie sollte an diesem Eine-Welt-Tag daran erinnern, dass das in sehr vielen Ländern der Welt auch heute noch so ist. Gelegentlich sollte man sich diesen Umstand im Alltag bewusst machen und dankbar sein, in der heutigen Zeit in dieser Region der Welt leben zu dürfen.

 

Walsroder Zeitung vom 12.06.2018: Buntes für die „Basisarbeit“. „Eine-Welt-Fest“ an der Bomlitzer Kirche wirbt für mehr Gerechtigkeit – und um Hilfe für geflüchtete Rohingyas.

Der Wohlstand des Westens wird in der Dritten Welt gemacht. Zugegeben: Dieser Satz stellt die Zusammenhänge stark vereinfacht dar, aber falsch ist er deshalb noch lange nicht. Das beginnt bei den Rohstoffen für elektronische Geräte, die in Afrika unter widrigsten Bedingungen aus Minen geholt und beispielsweise nach Europa „verscherbelt“ werden. Und das endet da, wo Kriege mit Waffen und Know-how aus Industrieländern geführt werden. Hunger, Armut und Flucht sind die Folgen – die sich auch in großen Zahlen an Flüchtlingen vor den europäischen Außengrenzen widerspiegeln.

Den Verein „Projekt Eine Welt“ gibt es nicht erst seit der jüngsten „Flüchtlingskrise“, sondern bereits seit 25 Jahren. Und der Name des Vereins macht deutlich, worum es den etwa 100 Mitgliedern aus den Bereichen Bomlitz, Benefeld und Visselhövede geht: um Gerechtigkeit auf dieser „einen Welt“. Sie vertreiben fair gehandelte Produkte von Kleinbetrieben und Genossenschaften in Afrika, Asien und Lateinamerika, und alle zwei Jahre organisieren sie ein großes Fest. Am vergangenen Sonntag fand dieses „Eine-Welt-Fest“ an der Kirche in Bomlitz statt. Dieses Mal stand das Schicksal der Rohingyas im Mittelpunkt der insgesamt zehnten Auflage. Mindestens 700.000 Menschen dieser muslimischen Minderheit sind seit August 2017 vor Gewalt aus ihrem Heimatland Myanmar geflohen.

Im Nachbarland Bangladesch drohen die ständig wachsenden Flüchtlingscamps längerfristig zum größten Slum der Welt zu werden. „Wichtig ist, dass wir Basisarbeit leisten“, sagt die Vereinsvorsitzende Edelgard Schmidt, „es fehlen Decken, Zelte sind kaputt, Kochtöpfe sind Mangelware. Da wollen wir ganz konkret helfen“, erklärt sie das Ansinnen des Bomlitzer Festes. Am vergangenen Sonntag mit dabei waren allerdings nicht nur die Mitglieder des „Projekt Eine Welt“- Vereins, der sich aus engagierten Christen zusammensetzt, sondern auch andere Verbände und Institutionen unterstützten den guten Gedanken – wie etwa das Forum Bomlitz, das aus der Cordinger Mühle eine sogenannte Windfege mitgebracht hatte. „Vermutlich hat dieses Gerät zum ersten Mal in 100 Jahren die Mühle verlassen“, erklärte Forums-Vorsitzender Torsten Kleiber. In Europa haben moderne Maschinen diese Windfege oder Rotationsworfelmaschine längst abgelöst, in Entwicklungsländern indes wird das handbetriebene Gerät noch genutzt. Wenn man so will, steht die Windfege also auch ein Stück für die ungleichen Voraussetzungen in der Welt.

Die Veranstaltung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst zum Thema: „Unser tägliches Brot gib uns heute!“. Anschließend öffnete der „Markt der Möglichkeiten“ mit zahlreichen Info-Ständen und Mitmachaktionen. Beim „Essen der Nationen“ mit selbst gekochten Gerichten aus aller Welt konnten sich die zahlreichen Besucher stärken – und wer Lust hatte, sah sich noch ein Puppenspiel des Waldorf-Kindergartens an. Im Gemeindehaus lief übrigens auch ein Film über das Schicksal der Rohingyas, das so manchen Gast berührt haben dürfte. Wer sich abseits des „Eine- Welt-Festes“ für faire Produktionsverhältnisse, Waren und Preise einsetzen möchte, der kann sich dem Verein anschließen. Informationen gibt es diesbezüglich unter (04262) 900776.

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